Blutdruckmessung bei Kleintieren
Eine Routineuntersuchung dank High Definition Oscillometry
Die Blutdruckmessung gehört seit vielen Jahren auch bei Hund und Katze zu den Routineuntersuchungen. Da es individuelle Schwankungen gibt, empfiehlt sich eine jährliche Blutdruckkontrolle, um den individuellen Normalwert zu ermitteln und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Sowohl ein zu hoher (Hypertension) als auch ein zu niedriger Blutdruck (Hypotension) sind bei Hund und Katze nicht selten.
Hypotensionen entstehen vor allem in der Narkose, im Schock oder in der diabetischen Krise, können aber auch durch Medikamente induziert werden. Gerade in der Therapie des Herzpatienten kommen blutdrucksenkende Medikamente zum Einsatz (ACEHemmer, BETA-Blocker, Diuretika etc.). Da aufgrund der kardialen Veränderung der Blutdruck allmählich sinkt, ist eine Blutdruckmessung vor Therapiebeginn und dazu begleitend wichtig. Bei bestehender Hypotension muss der Patient vorsichtig eingestellt und die Dosis unter Stabilisierung des Blutdrucks angepasst werden. Hypertensionen entstehen beim Tier immer sekundär, vor allem bei folgenden Krankheiten:
- Nierenkrankheiten (Hund und Katze)
- Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion; Katze)
- Diabetes mellitus (Hund und Katze)
- Hyperadrenokortizismus (hoher Kortisonspiegel; Hund)
Folgen einer nicht therapierten Hypertension
Die Hypertension verläuft schleichend, die Symptome sind unspezifisch. Wird ein erhöhter Blutdruck nicht rechtzeitig erkannt und in die Therapie mit einbezogen, bedeutet dies ein zusätzliches Risiko für den Patienten:
- Die zu Grunde liegende Krankheit schreitet schneller fort
- Die Lebensqualität und Lebensdauer sind massiv beeinträchtigt (Überlebenszeit bis zu 60 % verkürzt!)
- Weitere Organsysteme werden geschädigt:
- Auge: v.a. hypertensive Retinopathie (plötzliches Erblinden, massive Einblutungen)
- Herz: hypertensive Hypertrophie (Herzmuskelverdickung) meist mit funktioneller Mitralinsuffizienz (Herzgeräusch)
- ZNS: hypertensive Encephalopathie (Gehirnschädigung durch Ödeme/Blutungen)
- Niere: Glomerulosklerose, interstitielle Fibrose (Untergang von Nierengewebe)
Die Diagnose Hypertension kann daher nur über eine Blutdruckmessung gestellt werden.
Blutdruckmessen mit HDO
Seit Jahren hat sich ein neues Messverfahren beim Tier etabliert, die High Definition Oscillometry (HDO). Die Messgenauigkeit wurde in zahlreichen Studien an wachen und anästhesierten Tieren (Hund, Katze, Pferd, Frettchen etc.) bewiesen. Aufgrund seiner hohen Abtastgeschwindigkeit wird jede einzelne Pulswelle in Echtzeit erfasst, analysiert und auf dem PC-Monitor dargestellt. Damit kann zusätzlich die arterielle Elastizität (systemic vascular resistance = SVR) ermittelt und in die Prognose von Herz- und Nierenpatienten einbezogen werden. Weitere Informationen, die im Zuge einer Pulswellenanalyse möglich sind, umfassen: Schlagvolumen(SV), Schlagvolumenvarianz (SVV), Öffnungsverhalten der Arterie, Rhythmus/Arrhythmien (Abb. 1, 2). Diese Informationen liefert das System automatisch mit jeder Blutdruckmessung.
Arterielle Veränderungen sichtbar gemacht
SVR, sichtbar in den präsystolischen Amplituden (PSA, Abb. 1, 2), ist erhöht bei einer Vasokonstriktion (z.B. Aktivierung des RAAS) und erniedrigt bei Vasodilatation (z.B. Septikämie). Gerade bei Herz- und Niereninsuffizienz kann es zunächst über Angiotensin II (A II) zu einer transienten Erhöhung des SVR kommen, die durch die Gabe eines ACE-Hemmers reversibel ist. Bei länger bestehender Erkrankung tragen A II, TGF-beta und Aldosteron zu einem arteriellen Remodeling bei. Die Folge ist ein permanenter Elastizitätsverlust der Arterie und somit eine deutlich schlechtere Prognose.
Schnell und stressfrei messen – geht das?
Je natürlicher und entspannter die Messposition ist, desto weniger Stresseinflüsse sind in der Messung zu erkennen. In jedem Fall sollte der Blutdruck am Anfang einer Untersuchung stehen. Dank der hochsensiblen Messtechnik können Hund und Katze, aber auch Frettchen am Schwanz gemessen werden (Abb. 3).
Was ist zu beachten?
- Manschette auf Höhe der Herzbasis anlegen, um keine falsch hohen oder niedrigen Werte zu ermitteln: liegend oder stehend messen (Manschette am Schwanzansatz; s. Abb. 3).
- Während der Messung plötzliche Geräusche, Betreten oder Verlassen des Raumes vermeiden.
- Ist die erste Messung (nahezu) artefaktfrei aufgezeichnet (Pulswellenkontrolle am Bildschirm), werden die folgenden 2 – 4 Messungen direkt nacheinander ausgelöst (Gesamtmessdauer damit nur 2 – 4 Minuten!). u Nach der Messung beurteilt man den systolischen und diastolischen Druck von mindestens 3 Messungen innerhalb eines Schwankungsbereichs von <15 mmHg oder 5 Messungen ohne Selektion. Der Durchschnittswert wird automatisch angezeigt.
- Analyse der Pulswellen:
- Präsystolische Wellen: normal (Abb. 1) – hoch – erniedrigt? Hoch: Vasokonstriktion/arterieller Elastizitätsverlust (erhöhter SVR; Abb. 2). Erniedrigt: Vasodilatation (verminderter SVR)
- Rhythmus: gleichmäßige Abstände von einer Amplitude zur nächsten: Rhythmisch, unterschiedliche Abstände: Arrhythmisch (Abb. 2)
- Anstieg der Amplituden zum Maximum: gleichmäßig > Stabiles Schlagvolumen ausgefranst > SVV (Abb. 2).
Um alle Abbildungen zu sehen, laden Sie bitte das PDF (rechts oben) runter.
Foto: © Dr. Beate Egner
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