Tierärzte & Kliniken
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Prof. Dr. Anja Joachim
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Bekämpfung der Saugferkelkokzidiose – helfen Sulfonamide wirklich?
Bekämpfung der Saugferkelkokzidiose – helfen Sulfonamide wirklich?Wenn sich Isospora suis ansiedeltDie Kokzidiose, verursacht durch den Einzeller Isospora suis, ist eine der häufigsten Durchfallerkrankungen bei Saugferkeln. Am stärksten betroffen sind Tiere am Ende der ersten Lebenswoche; sie zeigen gelblichen oder zementfarbigen, cremigen bis wässrigen Durchfall, der meist ein bis drei Tage dauert, bei manchen Tieren aber bis zu einer Woche anhalten und dabei zu starker Abmagerung und Kümmern führen kann. Prof. Dr. Anja Joachim und Dr. Barbara Hinney geben einen Überblick, wie der Durchfallerkrankung entgegengewirkt werden kann. Krankheitsverlauf Der Entwicklungszyklus von Isospora suis ist in Abbildung 1 dargestellt. Von der Aufnahme der Umweltstadien (Oozysten) bis zur Ausscheidung vergehen nur fünf bis sechs Tage. Die Reifungsphase in der Außenwelt dauert temperaturabhängig ein bis drei Tage. Durch die Vermehrung des Parasiten in den Epithelzellen wird die resorptive Oberfläche zerstört. Dies führt zu Durchfall mit Gewichtsund Flüssigkeitsverlust und zum Kümmern der Ferkel. Durch die Schädigung des Darms können sich pathogene Bakterien, insbesondere Anaerobier wie Clostridien, stärker vermehren [1]. Obwohl die Kokzidiose von selbst vergeht, stellen die fehlende Nährstoff resorption und das gehäufte Vorkommen von Clostridiosen eine ernste Bedrohung der Tiergesundheit und der Produktivität in betroffenen Ferkelerzeugerbetrieben dar. Beseitigung Die Oozysten können häufig nur ungenügend aus dem Abferkelbereich entfernt werden. Selbst gegen Kokzidien wirksame Desinfektionsmittel können den ubiquitären Erreger nicht dauerhaft beseitigen. Grundsätzlich gelten eine ganze Reihe von Wirkstoffen als wirksam gegen Kok zidien, allerdings bestehen bei Ferkeln in den ersten Lebenswochen gewisse Einschränkungen in der Anwendung; eine Verabreichung von Medikamenten ist in dieser Lebensphase nur für bestimmte Arzneistoffe möglich und eine Behandlung über mehrere Tage gestaltet sich aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes und der erhöhten Stressbelastung der Ferkel als schwierig. Passendes Medikament
Wegen der schnellen Vermehrung der Parasiten im Gewebe einerseits und der Unsicherheit bezüglich des genauen Infektionszeitpunktes andererseits sollte ein Medikament zur Bekämpfung der Saugferkelkokzidiose eine Wirkung auf alle im Darm befindlichen Stadien haben und auch bei einmaliger Applikation eine ausreichend lange Wirkdauer aufweisen, um die intestinale Vermehrung von Isospora suis in der kritischen Phase, also innerhalb der ersten Lebenswoche, für eine Zeitspanne von mehreren Tagen zu unterbinden. In Europa steht hierfür der Wirkstoff Toltrazuril zur Verfügung, der als orale Suspension für Ferkel zugelassen ist. Verträglichkeit, Wirkung und Wirkdauer von Toltrazuril gelten als sehr gut; die einmalige Anwendung am 3. – 5. Lebenstag erlaubt eine sehr wirkungsvolle metaphylaktische Behandlung der Ferkel, die den Durchfall und die Ausscheidung von Oozysten unter Feldbedingungen effektiv unterdrückt [2]. Foto: © Prof. Dr. Anja Joachim |
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